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Verfassung vs. Smritis: Die neue indische Arbeits-Agenda

Die Shram Shakti Niti 2025, die neue indische Arbeitsrichtlinie, verknüpft moderne Politik mit den rund 2000 Jahre alten Texten, die Kastenhierarchie, geschlechtliche Unterordnung und rituelle Knechtschaft rechtfertigten. Was in dem Papier als „zivilisatorische Weisheit“ präsentiert wird, steht im fundamentalen Widerspruch zur indischen Verfassung. Die Smṛitis dienten der sozialen Kontrolle: Sie zementierten ungleiche Arbeitsteilung, erklärten Dienstbarkeit zur „natürlichen Bestimmung“ unterer Kasten und verwehrten Frauen rechtliche Autonomie. Ihre Bezugnahme markiert keinen kulturellen Stolz, sondern einen symbolischen Bruch mit dem egalitären Verfassungsversprechen.

Besonders fatal ist dies angesichts einer Realität, in der über 90 Prozent der Arbeiter*innen informell beschäftigt sind. Statt Rechte durchzusetzen, plant die Niti einen Rückzug des Staates zur bloßen Vermittlerrolle, was faktisch Deregulierung gleichkäme. In Kombination mit der Smriti-Ideologie wird Ausbeutung so als Ordnung legitimiert. Bereits Ambedkar hatte diese Texte als „Schriften der Sklaverei“ bezeichnet.

Mehr dazu hier: https://www.deccanherald.com/opinion/indias-labour-future-held-hostage-by-ancient-inequality-3780164