Die indischen Medien sind geprägt von einem tief verwurzelten Kastenmonopol. Fast 90 Prozent der leitenden Positionen in großen englisch- und hindi-sprachigen Redaktionen sind Angehörige der oberen Kasten (Oxfam–Newslaundry Report 2022). Dieses Ungleichgewicht beeinflusst nicht nur, wer spricht, sondern auch, wie Realität erzählt wird. Ein Beispiel ist die Gewalt in Mirchpur 2010, als ein Dalit-Junge und sein Vater mit Behinderung von höherkastigen Angreifern lebendig verbrannt wurden. Die meisten Medien berichteten lapidar von einem „Zusammenstoß“. Während männliche Täter aus privilegierten Kasten in den Schlagzeilen als lokale Machthaber dargestellt werden, gelten Dalits oft als Rowdys.
Hinter dieser Voreingenommenheit steht auch ökonomische Macht. Wer in Redaktionen das Mikrofon kontrolliert, ist oft eng verbunden mit werbenden Unternehmen aus denselben privilegierten Kasten. Selbst Einsteiger*innen aus marginalisierten Gemeinschaften werden auf „Kasten-Geschichten“ beschränkt, während Politik und Wirtschaft den oberen Kasten vorbehalten bleiben. Über 85 Prozent der Diskussionsteilnehmer*innen in Hauptsendezeit-Debatten stammen aus höheren Kasten, was der Experte Achival Warke als „ein Schweigen, das wie Ausgewogenheit klingt“ beschreibt.
Mehr dazu hier: https://en.themooknayak.com/discussion-interview/scripts-of-power-caste-and-the-missing-voice-in-indian-newsrooms
