In Bihar - und in weiten Teilen des Subkontinents - wird die Mikrofinanzierung, die ursprünglich als Mittel zur Stärkung von Frauen propagiert wurde, zunehmend zu einem Instrument der Ausbeutung. Der Suizid von Siyaram Sahu, einem Tagelöhner verdeutlicht das Schicksal: Seine Familie musste einen Kredit von 50.000 Rupien für die Hochzeit der Tochter tilgen, während Inkassobeauftragte Drohungen und soziale Bloßstellung anwandten. Zwei Monate nach dem Tod ihres Mannes konnte die Familie weder eine Kopie des Obduktionsberichts erhalten noch Anzeige erstatten. Medienberichte blieben auf Fußnoten beschränkt.
Staatlich geförderte Programme zur Frauenförderung wie Jeevika oder Mukhyamantri Nari Shakti Yojana binden arme Frauen in Zinsfallen (29 - 50 Prozent), ohne ausreichende Absicherung gegen Einkommensschocks oder ausbeuterische Praktiken. Die „Jeevika-Didis“, die eigentlich Unterstützung bieten sollen, werden oft zu Vermittler*innen der Rückzahlungsdisziplin und damit zu Werkzeugen des neoliberalen Systems. Während die Rhetorik wirtschaftlicher Selbstbestimmung und Resilienz hochgehalten wird, verschwinden der Schutz und die Verantwortung des Staates im Schatten von Schulden und hohen Zinsen. Der Fall Sahus macht deutlich: Empowerment misst sich nicht an der Zahl weiblicher Kreditnehmer*innen, sondern an der Freiheit von Angst, Belästigung und existenziellen Schulden. Eine echte Re-politisierung der Entwicklungsarbeit, die soziale Wohlfahrt vor die Interessen der Mikrofinanzunternehmen stellt, bleibt dringend erforderlich.
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