Zwei aktuelle Haushaltsanalysen zeichnen ein kritisches Bild der indischen Arbeitsmarktpolitik. Zwar hat das Ministerium für Arbeit und Beschäftigung im Staatshaushalt 2026/27 mit umgerechnet etwa 3,7 Milliarden Euro eine Rekordzuweisung erhalten. Die revidierten Zahlen zeigen jedoch, dass rund 61 Prozent der Mittel aus dem Vorjahr ungenutzt blieben. Besonders Programme für marginalisierte Gruppen, zur Bekämpfung von Kinderarbeit oder zur Arbeitsmarktvermittlung wurden nur teilweise umgesetzt: Von umgerechnet 3,5 Milliarden Euro für zentrale Projekte flossen lediglich umgerechnet etwa 1,3 Millionen Euro tatsächlich ab. Auch die Ausgaben für soziale Dienste gingen insgesamt zurück, ein Hinweis auf strukturelle Probleme in der Umsetzung.
Ein zweiter Bericht, der die Programme im Detail betrachtet, bestätigt diese Diagnose: So wurden im letzten Jahr lediglich rund 5 Prozent der Mittel eines zentralen Beschäftigungs- und Qualifizierungsprogramms ausgegeben. Vor diesem Hintergrund erscheint auch das neue Flaggschiffprogramm „Pradhan Mantri Viksit Bharat Rozgar Yojana“ (PM-VBRY), das mit über 2,2 Milliarden Euro ausgestattet ist, ambivalent. Die Diskrepanz zwischen ambitionierter Budgetpolitik und schwacher Mittelverwendung deutet weniger auf fehlende Ressourcen als auf grundlegende Defizite in Anreizstrukturen, Zielgenauigkeit und staatlicher Umsetzungskapazität – und stellt damit die arbeitsmarktpolitische Strategie der Regierung insgesamt infrage.
