Ein existenzsichernder Lohn für reguläre Arbeitszeit ist ein grundlegendes Menschenrecht und Kernbestandteil menschenwürdiger Arbeit nach Definition der International Labour Organization. Dazu gehören sichere Arbeitsbedingungen, soziale Absicherung, Vereinigungsfreiheit und echte Mitbestimmung. In der globalen Textil- und Bekleidungsindustrie klafft jedoch eine eklatante Lücke zwischen Anspruch und Realität. Trotz jahrzehntelanger Selbstverpflichtungen internationaler Marken, freiwilliger Verhaltenskodizes und Bekenntnisse zu „Living Wages“ zeigen Recherchen der Clean Clothes Campaign & Co.: Systemische Unterbezahlung, erzwungene Überstunden, Lohndiebstahl und Gewerkschaftsunterdrückung sind strukturell in globale Lieferketten verankert. Internationale Marken dominieren Preis- und Beschaffungsentscheidungen und reichen ökonomische Risiken entlang der Kette nach unten weiter, während Gewinne oben konzentriert bleiben.
Eine neue Studie von Arisa (mit pakistanischen Arbeitsrechtsforscher*innen), analysiert exportorientierte Betrieben europäischer Marken:
- 99 Prozent erhalten keinen existenzsichernden Lohn (48h -Woche), die Lücke betrug rund ein Viertel bis ein Drittel ihres Nettolohns.
- 86 Prozent beklagten Lohndiebstahl, 60 Prozent arbeiteten länger als gesetzlich zulässig, 94 Prozent leisteten unfreiwillige Überstunden.
- 41 Prozent sind verschuldet, die Mehrheit ohne Sozialversicherung
- Keine Fabrik mit anerkannter unabhängiger Gewerkschaft
Die Empfehlungen der Studie sind daher klar: Zahlung existenzsichernder Löhne, freiwillige und korrekt vergütete Überstunden, transparente und direkte Beschäftigungsverhältnisse, volle Sozialabsicherung, effektive Beschwerdemechanismen und Vereinigungsfreiheit garantieren. Für EU-Unternehmen und Politiker*innen: Sorgfaltspflichten dürfen nicht bei Audits enden – sie müssen Einkaufspraxis, Preiskalkulation und verbindliche Durchsetzung von Arbeitsrechten prägen.
Zur Studie von Arisa geht’s hier: https://arisa.nl/wp-content/uploads/Overworked-and-Underpaid-2025.pdf
