Ein jüngst veröffentlichter Kommentar beleuchtet jene Inder*innen, die aus Arbeiter*innenfamilien oder kastenunterdrückten Gemeinschaften stammen und heute bezahlte Angestellte- oder Manager*innen sind. Die zentrale These: Mit dem sozialen Aufstieg geht häufig politisches Verstummen einher. Der individuelle Erfolg wird als persönliche Leistung gefeiert, während kollektive Kämpfe um Arbeitsrechte, Umverteilung und Kastendiskriminierung in Vergessenheit geraten.
Kapitalismus befördert diese Verschiebung, indem er strukturelle Ungleichheit personalisiert und Aufstieg als Beweis systemischer Fairness darstellt. Als kulturelle Referenz dient der Film „Albert Pinto Ko Gussa Kyu Aata Hai“ von Saeed Mirza, in dem ein Arbeiter die Spaltung seiner Klasse erkennt.
Besonders zugespitzt wird die Kritik im Hinblick auf das Kastensystem: Klassenmobilität ohne Bewusstsein für die anhaltende Kastendynamik führt nicht zu struktureller Veränderung, sondern festigt bestehende Hierarchien. Erfolgsbiografien suggerieren: „Jede*r kann es schaffen“, und verschleiern so fortbestehende Ungleichheiten. Auch die Faszination für globale Finanz- und Wirtschaftszentren wie Manhattan oder Singapur wird als Symbol einer meritokratischen Sehnsucht interpretiert. Dieses „Vergessen“ ist kein individueller Makel, sondern politische Haltung – mit Folgen für Solidarität, Arbeitsrechte und gesellschaftliche Gleichheit in Indien.
Zum Debattenbeitrag: https://bakeryprasad.substack.com/p/the-class-and-caste-traitor-babies?utm_source=multiple-personal-recommendations-email&utm_medium=email&triedRedirect=true
