Soumyajit Bhar von der Brij Mohan Lall Munjal University sieht in den Protesten der Cockroach Janta Party mehr als eine Revolte gegen Prüfungsleaks. Millionen junge Menschen würden in Indien darauf trainiert, einander als Konkurrent*innen um wenige Studienplätze und sichere Jobs zu betrachten und eigenes Scheitern entsprechend als persönliche Niederlage zu verstehen. Dabei seien die Ausgangsbedingungen alles andere als gleich: Ein Dalit-Schüler aus einer schlecht ausgestatteten Dorfschule und ein privilegierter Schüler mit jahrelangem Coaching treten zwar zur selben Prüfung an, kommen aber aus völlig verschiedenen Welten. Der Protest habe diese individualisierte Logik für einen Moment durchbrochen: Aus isolierten Bewerber*innen seien Bürger*innen geworden, die strukturelle Probleme gemeinsam benennen. Die erzwungene Resignation von Bildungsminister Dharmendra Pradhan war für Bhar deshalb nur ein Anfang. Indien brauche besser finanzierte Schulen und Universitäten, mehr Wege in qualifizierte Berufe und ein Verständnis von Begabung, das über Prüfungspunkte hinausgeht. Demokratie beginnt eben manchmal dort, wo Menschen aufhören zu fragen: „Warum habe ich versagt?“, und gemeinsam fragen: „Warum ist das System so gebaut?“
Lesen Sie hier mehr: https://thewire.in/education/when-competitors-became-citizens-the-exam-the-protest-and-the-work-of-democracy
