Schrödingers Katze der indischen Politik: Geld unsichtbar, doch allmächtig

Indiens politische Finanzierung ist wie Schrödingers Katze: Für Parteifunktionär*innen, Kandidat*innen und politische Strateg*innen ist sie lebenswichtig – für die Wähler*innen meist ein unsichtbares Hintergrundrauschen. Sie steuert, Zugang zu Kandidaturen, Ressourcen und Medienplattformen, beeinflusst Kampagnenstrategien und formt die Machtstrukturen innerhalb der Parteien. Gleichzeitig bleibt sie in Wahlentscheidungen der Bürger*innen weitgehend irrelevant, solange Korruption keine unmittelbaren Auswirkungen auf den Alltag hat. Wer lässt sich schon von abstrakten Finanzflüssen abschrecken, wenn es um sauberes Wasser, Sicherheit oder Jobs geht?

Selbst wenn jede legale Spende in Echtzeit offengelegt würde, blieben Bargeld über lokale Vermittler*innen, Sachleistungen für Wahlkampfmaterial oder inoffizielle Ausgaben für Mobilisierung und Medienarbeit außerhalb der Kontrolle. Auch staatliche Finanzierung könnte leicht ergänzt werden, wenn die Parteien weitere Ressourcen benötigten. So fließt Geld immer dorthin, wo Macht bereits konzentriert scheint, und macht das System sowohl sichtbar als auch unsichtbar.

Reformen scheitern an der Realität: Gesetze liefern Informationen, keine Rechenschaft. Politische Macht zieht Geld an, nicht durch Verschwörung, sondern durch die alltägliche Logik von Wettbewerb, Wahrnehmung und Ermessensspielräumen in einem halb-formalisierten Staat. Wahlanleihen oder Enthüllungen zu Parteifinanzierung zeigen: Ohne mobilisierte Bürger*innen bleibt alles beim Alten.

Mehr dazu hier: rgupta.substack.com/p/political-fundings-schrodinger-problem

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