Devadasi-System: Informelle Ausbeutung trotz Verbots

Das Devadasi-System besteht in Teilen Südindiens trotz jahrzehntelanger Verbote als informelle Praxis fort, getrieben von Kaste, Armut und religiösen Deutungen. Biografien ehemaliger Devadasis aus Karnataka und angrenzenden Regionen zeigen, Mädchen werden früh aus Ehe, Erbrecht und sozialer Absicherung herausgelöst, in ein System gezwungen, das sexuelle Verfügbarkeit als religiöse Pflicht naturalisiert. Staatliche Schätzungen nennen Zehntausende bis Hunderttausende Betroffene - Symptom fehlender systematische Daten und Prioritäten.

Ein historischer Vergleich macht deutlich, dass rechtliche Maßnahmen allein nicht ausreichen. In Tamil Nadu wurde das Devadasi-System bereits im frühen 20. Jahrhundert durch die dravidische Bewegung ideologisch delegitimiert. Akteur*innen wie Periyar, Dr. Muthulakshmi Reddy und Moovalur Ramamirtham Ammaiyar verknüpften antikastische, feministische mit säkularer Kritik – vor dem Verbot 1947. In Bundesstaaten ohne eine vergleichbare Massenbewegung passte sich die Praxis hingegen an und überdauerte in neuen Formen. Heute fordern Kritiker*innen strukturelle Hebel, wie Schulbildung für Mädchen, ökonomische Eigenständigkeit von Frauen und lokale Selbstorganisation ehemaliger Devadasis. Keine Moralpredigt, sondern materielle Alternativen zur „rationalen“ Dedikation.

Mehr dazu hier: https://www.outlookindia.com/national/the-lesser-daughters-of-the-goddess-former-devadasis-rewrite-a-caste-bound-legacy

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