Der Krieg gegen den Iran entfaltet spürbare innenpolitische und sicherheitspolitische Resonanzen in Indien. Teile der muslimischen Bevölkerung, etwa in Kaschmir, äußern Solidarität mit dem iranischen Regime, was bestehende Spannungen weiter politisiert. Auch regional zeigt sich die Eskalation: In Pakistan kam es nach den ersten Angriffen der USA und Israels zu einem Sturm auf die US-Botschaft. Zugleich wächst in Indien die Sorge über die Militarisierung der eigenen maritimen Nachbarschaft, nicht zuletzt, weil globale Konflikte zunehmend näher an Indiens geopolitische „Haustür“ rücken.
Während sich die Lage in Westasien zuspitzt, bleibt eine andere Dynamik bemerkenswert stabil: Vor den Visazentren für die Golfstaaten in Neu-Delhi reißen die Warteschlangen nicht ab. Trotz wachsender Unsicherheit halten viele an der Ausreise fest, weniger aus Risikobereitschaft als aus ökonomischen Zwang. Für zahlreiche Familien ist das Einkommen aus dem Ausland existentiell. Die Gefahren des Krieges erscheinen dagegen oft abstrakt.
Diese individuellen Entscheidungen spiegeln eine größere Realität: Rund neun Millionen Inder*innen leben in den Golfstaaten, ihre Rücküberweisungen sichern den Lebensunterhalt vieler Haushalte. Gleichzeitig sind migrierte Arbeiter*innen von den Konflikten besonders betroffen; sie verlieren oft als Erste ihre Jobs, bleiben ohne sicherheitsrelevanten Informationen zurück und sind im Krisenfall kaum geschützt. Das diese gefährliche Lage jedoch die Migration nicht aufhalten kann, zeigt wie prekär die Lage in Indien tatsächlich für arme Bevölkerungsgruppen ist.
Reingehört: Um sich über die Auswirkungen des Kriegs auf den Iran für Indien zu informieren empfehlen wir den Podcast des Deutschlandfunks, hier geht’s zum Podcast: https://www.deutschlandfunk.de/indien-welche-auswirkungen-hat-der-krieg-gegen-den-iran-100.html
Zum Artikel der Times of India zur Lage der Arbeitsmigrant*innen geht’s hier: https://timesofindia.indiatimes.com/city/delhi/without-money-we-will-die-here-as-well/articleshow/129349304.cms?utm_campaign=Worker%2BWeb&utm_medium=email&utm_source=Worker_Web_149
