DSiD - Dalit Solidarität in Deutschland
 

Liebe Freundinnen und Freunde der Dalit Solidarität in Deutschland,

wir freuen uns, Ihnen und euch mit dem aktuellen Newsletter wieder Einblicke in aktuelle politische Entwicklungen und die Lebensrealitäten von Dalits zusenden zu können.

Viel Spaß beim Lesen wünscht,

das Team der Dalit Solidarität in Deutschland

Mit Volksheld auf Stimmenfang: BJP umwirbt Dalits in Uttarakhand

Vor der Landtagswahl 2027 startet die BJP in Uttarakhand eine groß angelegte Charmeoffensive bei Dalit-Wähler*innen. Im Mittelpunkt steht der 650. Geburtstag von Guru Ravidas, dessen Botschaft von Gleichheit die Partei in einer mehrmonatigen Kampagne aufgreifen will. Bis Februar 2027 sind Veranstaltungen, Prozessionen und religiös-kulturelle Programme geplant. Der Autor des Artikels ordnet die Kampagne klar als Wahlstrategie ein: Dalits machen in Uttarakhand einen bedeutenden Teil der Wählerschaft aus, und von 70 Parlamentssitzen sind 13 für Scheduled Castes (staatlich anerkannte benachteiligte Kastengruppen, darunter Dalits) reserviert. Die BJP gewann davon 2017 noch elf, 2022 aber nur neun; genug Grund also, die Verbindung zur Dalit-Wählerschaft rechtzeitig zu pflegen. Ob die Berufung auf Ravidas’ Gleichheitsideal über Symbolpolitik hinausgeht, wird sich daran messen lassen, was zwischen den Festakten tatsächlich gegen Kastendiskriminierung geschieht.

https://www.justicenews.co.in/bjps-new-strategy-ahead-of-the-2027-uttarakhand-assembly-elections-attempts-to-garner-the-dalit-vote/?utm_source=chatgpt.com

Punjab: Ein Drittel der Bevölkerung, aber kaum politische Macht

Punjab hat mit rund 32 Prozent den höchsten Dalit-Anteil aller indischen Bundesstaaten, doch politische Macht ist daraus bislang kaum entstanden. Der von NDTV-Journalist Manjeet Sehgal verfasste Beitrag sieht dafür mehrere Gründe: Dalits besitzen nur einen sehr kleinen Teil des landwirtschaftlichen Bodens und gesellschaftliche Diskriminierung besteht trotz des Gleichheitsanspruchs des Sikhismus fort. Hinzu kommt, dass Dalits keineswegs einen einheitlichen politischen Block bilden, sondern nach Kaste, Religion und Region stark ausdifferenziert ist. Davon profitiert vor allem die traditionell einflussreiche Jat-Sikh-Elite. Die große Zahl allein macht also noch keine Macht: Wer politisch in viele Richtungen zieht und wirtschaftlich kaum Land besitzt, bleibt trotz eines Drittels der Bevölkerung erstaunlich leicht am Rand.

https://www.thehindu.com/opinion/op-ed/why-punjabs-dalits-remain-divided/article71250840.ece

87 Millionen junge Menschen im Wartestand

Rund 87 Millionen junge Menschen zwischen 15 und 29 Jahren waren 2021 weder in Ausbildung noch in Beschäftigung, zeigt ein Bericht der staatlichen Denkfabrik NITI Aayog. Dafür wird die englische Abkürzung NEET verwendet: „Not in Education, Employment or Training“. Ein Wortspiel, denn NEET ist in Indien zugleich der Name der wichtigen Aufnahmeprüfung für ein Medizinstudium. Als Gründe nennt der Bericht vor allem hohe Weiterbildungskosten und den schwierigen Einstieg in passende Jobs. Besonders junge Menschen aus armen Familien können sich zusätzliche Qualifikationen oft nicht leisten und nehmen deshalb häufig schlecht bezahlte Arbeit an. NITI Aayog empfiehlt günstigere Weiterbildungsangebote und mehr Möglichkeiten, Arbeiten und Lernen zu verbinden. Wichtig: Die 87 Millionen sind nicht einfach 87 Millionen Arbeitslose. Dazu zählen auch Menschen, die zum Beispiel Haus- und Familienarbeit leisten und keine Stelle suchen. Indiens junge Bevölkerung ist nur dann ein Vorteil, wenn sie auch echte Bildungs- und Berufschancen bekommt.

economictimes.indiatimes.com/news/india/nearly-9-crore-indian-youth-aged-15-29-suffering-due-to-neet-not-in-education-employment-or-training-highlights-niti-report/articleshow/133450904.cms

Wer gehört zu den Scheduled Castes? Ein Blick auf die kolonialen Wurzeln der Kategorie

Der erste Teil einer Serie von YagnaSri zeichnet nach, wie die heutige Kategorie „Scheduled Caste“ (staatlich anerkannte benachteiligte Kastengruppen, darunter Dalits) bereits vor der indischen Verfassung entstand. Der Beitrag argumentiert, dass die britische Kolonialverwaltung „Unberührbarkeit“ als spezifische Form sozialer Ausgrenzung innerhalb der hinduistischen Gesellschaft verstand und deshalb Schutzmaßnahmen zunächst an diese religiös-soziale Ordnung band. Über Volkszählungen und Verwaltungsregelungen wurden unterschiedlichste diskriminierte Gemeinschaften zunehmend zu einer staatlich definierten Gruppe zusammengefasst. Forderungen, auch zum Christentum oder Islam konvertierte Dalits in diese Kategorie einzubeziehen, seien bereits in der Kolonialzeit diskutiert, aber zurückgewiesen worden. Der Autor leitet daraus ab, dass die religiöse Begrenzung des SC-Status nicht erst 1950 erfunden worden sei, sondern ältere Verwaltungspraxis fortsetzte. Damit greift der Text direkt in die bis heute umkämpfte Frage ein, ob Dalit-Christ*innen und Dalit-Muslim*innen ebenfalls SC-Reservierungen erhalten sollten. Historisch interessant ist dabei vor allem eines: Die gesellschaftliche Ausgrenzung ist älter als die bürokratische Schublade; und die Schublade selbst ist alles andere als politisch neutral.

https://hindupost.in/dharma-religion/before-the-constitution-how-scheduled-caste-was-born-a-hindu-category-and-why-the-british-kept-it-that-way-part-1/#

Dalit-Kandidat erreicht Spitzenplatz bei medizinischer Auswahlprüfung

Ein Kandidat aus der Scheduled-Caste-Kategorie (staatlich anerkannte benachteiligte Kastengruppen, darunter Dalits) hat bei der aktuellen Vergabe besonders begehrter medizinischer Studienplätze an führenden medizinischen Hochschulen den ersten Rang erreicht. Unter den besten Zehn finden sich außerdem vier Bewerber*innen aus der Kategorie Other Backward Classes (OBC), damit stammt die Hälfte der Spitzengruppe aus Gruppen, für die Reservierungsregelungen gelten.The Wire sieht darin ein starkes Gegenargument zu der immer wieder vorgebrachten Behauptung, Quoten gingen auf Kosten von Leistung. Gerade Studierende aus diesen Gruppen würden häufig auf niedrigere Zulassungsgrenzen reduziert. Das Ergebnis ist deshalb mehr als eine erfreuliche Prüfungsnachricht: Es hält einer alten Debatte den Spiegel vor. Reservierungen sollen fehlende Leistung nicht ersetzen, sondern verhindern, dass gesellschaftliche Benachteiligung darüber entscheidet, wer seine Leistung überhaupt zeigen kann.

https://thewire.in/education/sc-category-candidate-tops-aiims-super-speciality-merit-list-four-obc-candidates-in-top-ten

 

 
 

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