DSiD - Dalit Solidarität in Deutschland
 
Liebe Freundinnen und Freunde der Dalit Solidarität in Deutschland,

sexueller Missbrauch, Mangel- und Fehlernährung - Kinder sind meist die größten Leidtragenden. Umso wichtiger sind effektive Programme und Maßnahmen, um dies zu bekämpfen. Wie steht es in Indien um diese Themen? Und warum ist Rajasthan besonders anfällig für kastenbasierte Gewalt? Finden wir Antworten in der Geschichte? Erste Antworten gibt es im Newsletter.

Erkenntnisreiche Lektüre,

Manuela Ott

Studie: Keine Gerechtigkeit für Opfer von sexuellem Kindesmissbrauch

In Indien sind bis Ende Januar 2,43 Mio. Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch vor Gericht anhängig. Allein um diese Fälle abzuarbeiten, würde es neun Jahre benötigen, so eine Studie.
2022 lag die Zahl der Fälle, die zu einer Verurteilung führten, landesweit bei lediglich 3 Prozent. Die Ergebnisse der Studie stellen die Wirksamkeit des indischen Justizsystems in Frage, obwohl die Zentralregierung 2019 beschlossen hat, Schnellgerichte einzurichten, um Betroffenen von sexuellem Kindesmissbrauch zu ihrem Recht zu verhelfen. Darüber hinaus nimmt die Regierung jedes Jahr mehrere Millionen Euro in die Hand, um für Gerechtigkeit für Kinder zu sorgen.

Die Studie macht deutlich, dass die Schnellgerichte nur etwa 28 Fälle pro Jahr abschließen, von der Regierung erwartet wurden über 160 Fälle pro Jahr. „Die Daten deuten darauf hin, dass die Schnellgerichte auch drei Jahre nach Einführung des Systems nicht in der Lage sind, die gesetzten Ziele zu erreichen", heißt es in dem Papier.

Nachzulesen in: https://www.telegraphindia.com/jharkhand/child-victims-of-sexual-abuse-face-long-wait-for-justice/cid/1985822

 

YouTube: Serie diskutiert polarisierende Themen der indischen Geschichte

In der Serie "Indians – A brief history of a Civilization" auf dem YouTube Kanal von The Wire diskutiert Namit Arora in einzelnen Folgen über die Geschichte Indiens. Er thematisiert dabei einige der polarisierendsten Fragen der heutigen Geschichte: Wer waren die Harappaner und welche Sprache sprachen sie? Sind die Arier wirklich nach Indien ausgewandert, und warum wird diese Debatte heute so kontrovers diskutiert? Wo finden Varna und Kaste in Indien ihre Ursprünge und wie alt ist die Unberührbarkeit? Wie konnte die indoarische Kultur in Indien Fuß fassen und wie verbreitete sie sich? Was verursachte das Ende von Nalanda und den Untergang des Buddhismus in Indien? War das Vijayanagar-Reich wirklich eine selbstbewusste Bastion des Hinduismus, die sich tapfer dem „Ansturm des Islam“ widersetzte? Wie hoch ist die Bilanz der Mogulzeit in Bezug auf Massenkonvertierungen und Tempelschändungen? Stimmt es, dass Indien vor der britischen Kolonialzeit ein wohlhabendes Land war? Und vieles mehr.

Ziel dieser Serie ist die Förderung einer differenzierteren öffentlichen Diskussion über die Geschichte im heutigen Indien.

Zur Serie: https://thewire.in/history/indians-a-history-web-series-namit-arora
https://www.youtube.com/watch?v=ZAqQ-tQQEyQ , https://www.youtube.com/watch?v=rrBoZrhv3Y4 , https://www.youtube.com/watch?v=EgY62P35WiA

Rajasthan: Über 56.000 Kastendelikte in 5 Jahren

Am 13. August letzten Jahres starb ein neunjähriger Dalit-Junge im Dorf Surana in Rajasthan. Die Familie gab an, er sei von seinem Lehrer angegriffen worden, nachdem er einen Topf mit Wasser berührt hatte, der für "höhere Kasten" bestimmt war. Auf die Tat folgten Empörung, Proteste und Demonstrationen. Die Kongressregierung von Rajasthan versprach Hilfe und eine Untersuchung. Der Lehrer wurde umgehend verhaftet.

Doch dieses Vorgehen ist eine Seltenheit in Rajasthan. Denn die Straftaten gegen Dalits und Adivasi sind in den Jahren 2018 bis 2022 im Durchschnitt um 22 Prozent gestiegen. Die Verurteilungsquote sank gleichzeitig von 27,49 Prozent im Jahr 2020 auf nur noch 22,38 Prozent im Jahr 2022. Von den 56.879 registrierten Kastendelikten in den vergangenen fünf Jahren legte die Polizei nur in 26.801 Fällen - etwa 47 Prozent - einen Abschlussbericht vor. Und in nur 25.762 Fällen kam es überhaupt zu einer Anklage.

Satyaveer Singh, ein pensionierter Offizier, macht mangelnde Bildung in dem Bundesstaat seit der Zeit vor der Unabhängigkeit verantwortlich. "Das Verständnis für Kastenfragen hat sich erst spät entwickelt", sagte er. "Dies hat sich auch auf die Polizeiarbeit ausgewirkt." Ein weiteres Problem sei, dass betroffene Dalit- und Adivasi mit ihren Familien oft unter Druck gesetzt werden, "Kompromisse" mit den Gewalttätern einzugehen.

Nachzulesen in: www.thenewsminute.com/rajasthan/rajasthan-over-56000-caste-crimes-in-5-years-a-shrinking-conviction-rate-shoddy-final-reports

Knapp 75% der indischen Bevölkerung kann sich keine gesunde Ernährung leisten

Insgesamt 74,1 Prozent der Inderinnen und Inder konnten sich im Jahr 2021 keine gesunde Ernährung leisten, so ein veröffentlichter Bericht der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen. Die Vereinten Nationen definieren eine gesunde Ernährung für Erwachsene als eine Ernährung, die mindestens 400 Gramm Obst und Gemüse pro Tag sowie Nüsse und Vollkornprodukte enthält. "Wenn die Lebensmittelkosten gleichzeitig mit dem Einkommensrückgang steigen, kommt es zu einem Verstärkungseffekt, der dazu führen kann, dass sich noch mehr Menschen keine gesunde Ernährung leisten können", warnt die Organisation.

Dem Bericht zufolge waren 2021 insgesamt 16,6 Prozent der indischen Bevölkerung unterernährt. "Die Auswirkungen der Unterernährung gehen über das gesundheitliche und ernährungsbedingte Wohlbefinden hinaus und umfassen auch wirtschaftliche und soziale Kosten", heißt es in dem Papier.
Zudem waren 31,7 Prozent der unter Fünfjährigen unterernährt, was Wachstums- und Entwicklungsstörungen bei den Kindern zufolge haben kann.

Nachzulesen in: https://scroll.in/latest/1060565/74-1-of-indians-were-unable-to-afford-a-healthy-diet-in-2021-says-un-food-agency

 
 

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