DSiD - Dalit Solidarität in Deutschland
 
Liebe Freundinnen und Freunde der Dalit Solidarität in Deutschland,

Kinder in Indien haben zwischen 6 und 14 Jahren laut Gesetz kostenlosen Zugang zu Schulen und Bildung. Nach Einführung des Gesetzes 2009 hat die Einschulungsquote signifikant zugenommen. Doch da es um Ausstattung und Lehrkräfteausbildung an öffentlichen Schulen nicht immer gut bestellt ist, ist die Abbrecher*innenquote hoch. Das betrifft insbesondere Mädchen, Dalits und Adivasi. Hinzu kommt ein hohes Maß an Diskriminierung. Damit es weniger Benachteiligung gibt, wäre es gut, staatliche Schulen gegenüber den zunehmenden privaten Schulen aufzuwerten.

Erkenntnisreiche Lektüre

Manuela Ott

Wachsende Flut von Gräueltaten gegen Dalits

Die zunehmenden Verbrechen und Diskriminierungen gegen Dalits in allen indischen Bundesstaaten sind besorgniserregend. Laut dem Bericht "Crime in India, 2022" der Behörde für polizeiliche Kriminalstatistik haben die Gräueltaten im Jahr 2022 um ein Vielfaches zugenommen. Die Bundesstaaten mit den meisten Verbrechen gegen Dalits werden dabei von unterschiedlichen politischen Parteien geführt. Dies zeigt, dass die Gewalt gegen Dalits kein parteipolitisches, sondern ein gesellschaftliches Problem ist.

Ihre Probleme liegen tief und sind in sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen und strukturellen Bereichen verankert. Die brahmanische Ordnung und Kastenhierarchien haben über viele Jahre ein Ungleichgewicht feudaler Ordnung, der Überlegenheit und dadurch auch in Bezug auf Armut und Reichtum geschaffen.

Infolgedessen sind Dalits zu einer ausgebeuteten Arbeiterklasse geworden, die zu niedrigen Löhnen arbeitet und mit vielen Formen von Diskriminierung und Gewalt konfrontiert wird.

Nachzulesen in: https://www.deccanherald.com/opinion/rising-tide-of-atrocities-against-dalits-2850523

Lernrückstand für Kinder auf dem Land

Eine Befragung von Kindern zwischen 14 und 18 Jahren zeigt eklatante Lernrückstände bei Jugendlichen im ländlichen Raum. Dem Bericht zufolge sind 25 Prozent der Jugendlichen nicht in der Lage, einen Text der Klasse 2 in ihrer Landessprache zu lesen. Mehr als 50 Prozent der Befragten konnte mathematische Aufgaben auf dem Niveau der Klasse 3 und 4 lösen. Nur 41 Prozent der Mädchen und 51 Prozent der Jungen waren in der Lage die Uhrzeit abzulesen. Und 43 Prozent der Jugendlichen konnten keine englischen Sätze lesen.

Weiter zeigt die Umfrage, dass rund 24 Prozent der Jugendlichen in der Altersgruppe der 17- bis 18-Jährigen ihr Studium abgebrochen haben. Als Grund nannten die Mädchen am häufigsten familiäre Zwänge, die Jungen mangelndes Interesse.

Es gibt verschiedene Gründe für dieses schwache Abschneiden von Jugendlichen auf dem Land. Es fehlt an Lehrkräften und nur wenige Lehrer*innen verfügen über adäquate Ausbildung in interaktiven und ansprechenden Lehrmethoden. Der begrenzte Zugang zu Lehrbüchern und Lernmaterialien erschwert es außerdem den Schüler*innen, ihre Grundkenntnisse außerhalb des Klassenzimmers zu vertiefen. Darüber hinaus sind Schüler*innen aus einkommensschwachen Familien mit weiteren Herausforderungen konfrontiert, wie z. B. einer unzureichenden Infrastruktur, mangelnder Bildungsunterstützung zu Hause oder einem begrenzten Zugang zu außerschulischen Aktivitäten.

Nachzulesen in: https://www.justicenews.co.in/the-condition-of-government-schools-has-come-to-light-dalit-bahujan-children-are-being-affected/

Tamil Nadu: Systematische Diskriminierung von Dalit-Schüler*innen

Eine kürzlich durchgeführte Umfrage hat erschütternde Details über den Zustand von Dalit-Schüler*innen in den Schulen ans Licht gebracht. Die Umfrage wirft ein Licht auf Gewalt gegen Dalits in Tamil Nadu. So müssen laut der Untersuchung Schülerinnen und Schüler aus Dalit-Gemeinschaften ihre Mahlzeiten getrennt einnehmen, werden beschimpft und gezwungen, Toiletten zu putzen, anstatt zu lernen.

Über einen Zeitraum von drei Monaten wurden rund 650 Schüler*innen an 441 Schulen befragt. Es zeigt sich, dass etwa 30 Prozent der befragten Schulen verschiedene Formen der Voreingenommenheit gegenüber Dalit-Schüler*innen aufweisen. Es kommt häufig zu Vorfällen, bei denen Dalit-Schüler*innen von Schüler*innen der höheren Kaste verprügelt wurden.

Die Unterdrückung aufgrund der Kastenzugehörigkeit äußert sich in verschiedenen Formen, sowohl offen als auch subtil. Dazu gehören die Verweigerung der Unterbringung von Dalit-Student*innen in Wohnheimen, unverhältnismäßig harte Strafen oder der Ausschluss von Dalits an Festivals.

https://cjp.org.in/tamil-nadu-abuses-segregated-meals-forced-to-clean-toilets-systemic-discrimination-faced-by-dalit-students/

Studie: Wie sich Geschlecht und Kaste auf Armut auswirken

Eine aktuelle Studie zeigt eine hohe geschlechtsspezifische Diskrepanz bezüglich Armut in Indien auf. So sind Mädchen in allen Gesellschaftsschichten stärker von Armut betroffen als Jungen. Besonders stark leiden dabei Inder*innen unter Armut, die Dalits sind. Gemeinschaften der oberen Kaste weisen den geringsten geschlechtsspezifischen Unterschied auf.

Weiter zeigt die Studie auf, das Mädchen weit mehr Einkommen benötigen, um der Armut zu entkommen als Jungen.

Nachzulesen in: https://en.themooknayak.com/dalit-news/how-gender-and-caste-impact-poverty-a-close-look-at-the-numbers#:~:text=How%20Gender%20and%20Caste%20Impact,caste%20influence%20on%20this%20gap

 
 

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