DSiD - Dalit Solidarität in Deutschland
 

Ukraine: Indiens diplomatische Gradwanderung

Indien vollzieht in den letzten Tagen, bei dem Versuch seine guten Beziehungen zu Moskau und dem Westen zu halten, eine diplomatische Gratwanderung in Bezug in seiner Haltung zum Angriff auf die Ukraine. In seiner ersten Erklärung vor dem UN-Sicherheitsrat spricht Delhi kein Land direkt an, bedauert aber, dass die Aufrufe der internationalen Gemeinschaft, der Diplomatie und dem Dialog eine Chance zu geben, nicht befolgt wurden. Mit Kritik an Russland hält man sich allerdings stark zurück. Bevor der UN-Sicherheitsrat über den Entwurf einer UN-Resolution zur Verurteilung der Invasion abstimmt, wird Indien von Russland, den USA und der Ukraine aufgefordert, "das Richtige zu tun" und einen klaren Standpunkt zu beziehen. Indien entscheidet sich jedoch, sich seiner Stimme zu enthalten. Doch es zeigt sich eine gewisse Tendenz. Indien spricht von der Bedeutung der UN-Charta, des Völkerrechts und der Achtung der Souveränität und territorialen Integrität der Staaten und fügt hinzu, dass alle Mitgliedstaaten diese Grundsätze bei der Suche nach einem konstruktiven Weg nach vorn beachten müssen. Indiens Entscheidung, sich der Stimme zu enthalten, wirft jedoch vor allem im Westen die Frage auf, ob die größte Demokratie der Welt nicht eine klarere Haltung hätte einnehmen sollen. Der wichtigste Grund für diese Vorgehensweise Indiens sind die bewährten verteidigungspolitischen und diplomatischen Beziehungen zu Moskau. Russland ist nach wie vor der größte Waffenlieferant Indiens, was Indien eine wichtige strategische Abschreckung gegen China und Pakistan bietet. Darüber hinaus ist es für Delhi schwierig, die jahrzehntelange diplomatische Zusammenarbeit mit Russland in verschiedenen Fragen zu übersehen. In diesem Zusammenhang scheint Indien seine berühmte Strategie der Blockfreiheit zu verfolgen und den Dialog zur Lösung von Problemen zu fördern.

Vollständiger Artikel und Link zu einem tax-Artikel zum selben Thema:

https://www.bbc.com/news/world-asia-india-60552273
 

https://taz.de/Indiens-Reaktionen-auf-Putins-Krieg/!5838065/

SDGs in Indien: Millionen Arme fehlen

Um Fortschritt bei der Erreichung der nachhaltigen Entwicklungsziele zu messen, berechnen das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) und die Oxford Poverty and Human Development Initiative (OPHI) für die meisten Länder den sogenannten „Multidimensional Poverty Index (MPI)“, der zusammen mit dem Human Development Index (HDI) im Human Development Report veröffentlicht wird.
Indien hat seit 2016 die Indikatoren zur Armutsmessung verändert. Beispielsweise wurde der Zugang zum Bankkonto aufgenommen, was als eher vernachlässigbar bei der Armutsmessung ein geschätzt wird. Der Zugang zu Krankenversicherung wäre um ein Vielfaches aussagekräftiger, wird jedoch nicht berücksichtigt. Durch neue (irrelevantere) Indikatoren ist die Berechnungsgrundlage anders, wodurch im Vergleich zu offiziellen Zahlen 37 Millionen Menschen fehlen oder nicht mehr als arm gelten. Auch die Schwere der Armut hat mit der neuen Berechnung abgenommen.

Vollständiger Artikel:

https://thewire.in/economy/poverty-data-india-niti-aayog

Kerala: Keine Dalits in meiner Nachbarschaft

Die Kommission für Dalits und Adivasi in Kerala hat ein Verfahren gegen die Bewohner*innen eines Dorfes eingeleitet. Sie haben acht Dalit-Familien daran gehindert, Häuser auf einem gespendeten Grundstück zu bauen und ihnen mit dem Tode gedroht. Valliath Thomas Varghese, der Spender aus den Vereinigten Staaten, habe den Bedürftigen helfen wollen und bei der Auswahl nicht auf die Kaste geachtet. „Ich habe die acht Familien ausgewählt, weil sie alle mit ihren Kindern in Mietwohnungen lebten. Nun beschuldigen mich die Anwohner*innen, das Gebiet in eine Dalit-Kolonie umzuwandeln.“ Er beschuldigt die örtliche Bezirksabgeordnete, dem Projekt im Weg zu stehen. „Sie hat mir klar gesagt, dass sie es nicht zulassen wird, dass Dalits in ihrer Nachbarschaft leben“. Auf den groben Verstoß gegen Artikel 17 der indischen Verfassung – Abschaffung der Unberührbarkeit – soll nun ein Verfahren folgen.

Vollständiger Artikel:

https://www.telegraphindia.com/india/kerala-villagers-try-to-block-dalits-face-action-from-state-commission/cid/1838657 

Bericht: Frauen im informellen Sektor

Ein Bericht von einer Forscher*innengruppe beschäftigt sich mit der Frage, wie COVID-19 bereits bestehende Schwachstellen für Frauen in städtischer informeller Wirtschaft verschärft hat. Die Forscher*innen gehen davon aus, dass wirtschaftliche und soziale Schwachstellen eng miteinander verbunden sind und Netze von Verwundbarkeit bilden. Ein großer Querschnitt dieses Netzes wird von Kaste, Geschlecht und Arbeit beeinflusst.
Zentrale Ergebnisse:
- Angesichts ihrer historisch begründeten Marginalisierung, kastenbasierter Diskriminierung und geringem Zugang zu Ressourcen sind Beschäftigte des Sanitärsektors besonderen Schwachstellen ausgesetzt.
- Mit Covid-19 hat sich die Prekarität im Arbeits- und Privatleben um ein Vielfaches verstärkt. Viele verloren ihr Leben wegen fehlender Sicherheitsausstattung - undokumentiert.
- Niedrigere Einkommen, zunehmende Isolation und soziale Stigmatisierung während der Pandemie wirkten sich auf die psychische Gesundheit der Arbeitnehmer*innen aus. Psychische Dienstleistungen für Arbeiter*innen im informellen Sektor und städtische Arme müssen deshalb zugänglicher und erschwinglicher gemacht werden.
- Sexuelle Belästigung von Frauen ist in Wohnungen, Gemeinschaftsräumen und Werkstätten weit verbreitet. Es gibt wenig bis gar keine Kompensation, da für die Frauen aufgrund des informellen Charakters ihrer Arbeit nicht die von ihren Auftragnehmer*innen festgelegten Regeln gelten.

Vollständiger Bericht:

https://reliefweb.int/report/india/caste-gender-labor-and-covid-19-urban-informal-economy-review-experiences-three

 
 

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