DSiD - Dalit Solidarität in Deutschland
 
Liebe Freundinnen und Freunde der Dalit Solidarität in Deutschland,

die letzten Tage waren für viele von uns aufwühlend – nicht zuletzt wegen der aktuellen politischen Entwicklungen in den USA und in Deutschland. Auch in Indien und anderen Regionen gab es wichtige Ereignisse, die in der öffentlichen Wahrnehmung möglicherweise weniger Beachtung fanden. In dieser Ausgabe des Dalit Newsletters möchten wir daher einen besonderen Fokus darauf legen.

Unser Thema heute: Armut und Ungleichheit – und die verschiedenen Wege, damit umzugehen. Der erste Artikel beleuchtet das Vermächtnis von Indiens größtem Philanthropen, ein bemerkenswertes Beispiel für soziale Verantwortung. Anschließend werfen wir einen Blick auf symbolische Programme der Regierung Modi, die seit der Wahl gezielt ausgeweitet wurden, um ärmere Bevölkerungsgruppen, darunter Dalits, zu unterstützen. Auch betrachten wir die Auswirkungen von Armut und Kastensystem auf Kinder. Der vierte und letzte Artikel widmet sich Haryana, das als erster Bundesstaat Subquoten im öffentlichen Dienst eingeführt hat.

Wir freuen uns über Euer Interesse und Euer Engagement und hoffen, dass dieser Newsletter spannende Einblicke und Denkanstöße bietet.

Herzliche Grüße,

Manuela Ott

100 Tage nach der Wahl: Strategie für Armutsbekämpfung?

In den ersten 100 Tagen der neuen Amtszeit von Premierminister Narendra Modi hat die Regierung eine umfassende Agenda zur Förderung von Minderheiten auf den Weg gebracht. Dieser strategische Schwerpunkt verdeutlicht das Engagement der Regierung, den sozioökonomischen Status historisch marginalisierter Gruppen in ganz Indien zu verbessern. Zu den Programmen der Regierung gehört eine gezielte Stärkung der Dorfstrukturen in Adivasi-Gemeinschaften, um den Zugang zu Ressourcen zu erweitern. Zudem wird die sogenannte „NAMASTE-Initiative“ für Müllllsammler*innen ausgeweitet, um deren wichtige Rolle im Bereich der öffentlichen Gesundheit und Hygiene stärker anzuerkennen.

Mit der Erweiterung der „PM Suraj“-Kampagne werden marginalisierten Gruppen bessere Möglichkeiten eröffnet, Kredite aufzunehmen. Auch im Bildungsbereich setzt die Regierung neue Impulse: Mit der „Eklavya Model Residential Schools“-Initiative sollen Fortschritte bei der Bildung von Adivasi und Dalits durch den Bau neuer Schulen und verbesserter Infrastruktur erzielt werden. Innerhalb dieser Schulen wird künftig auch Sport gefördert, um Talente gezielt zu unterstützen und zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten zu schaffen.

Es bleibt zu hoffen, dass diese im Artikel erwähnten symbolischen Initiativen – die sowohl dem unermüdlichen Einsatz politischer Gruppen als auch dem großen Einfluss der Wählergruppen von Dalits und anderen Minderheiten zu verdanken sind – tatsächlich materielle Verbesserungen für strukturell benachteiligte Gruppen bewirken.

Mehr dazu hier: https://www.newsx.com/india/100-days-of-modi-sarkar-2-0-transformative-steps-for-dalit-minority-and-tribal-empowerment/

Tatas Vermächtnis – Ein Beispiel von sozialer Verantwortung

Laut den Berichten der Hurun- und der Edelgive-Stiftung ist Jamsetji Tata, der Gründer der Tata Group, mit Spenden von insgesamt über 93,3 Milliarden Euro der größte Geldgeber in der Geschichte Indiens. Seine philanthropischen Beiträge setzen Maßstäbe und zeigen, welche tiefgreifenden Veränderungen ein Engagement für die Verbesserung der Gesellschaft bewirken kann. Der Schwerpunkt seiner seit 1892 erfolgten Spenden lag hauptsächlich auf den Bereichen Gesundheit und Bildung und unterstreicht, wie stark Tata an die transformative Kraft dieser Sektoren zur Verbesserung der Lebensbedingungen glaubt.

Jamsetji Tata wurde in Gujarat in eine zoroastrische Parsi-Familie geboren und hat zwei Söhne. Das Vermächtnis der Familie Tata wurde von seinen Nachkommen fortgeführt, wobei insbesondere sein Sohn Ratan Tata eine entscheidende Rolle bei der Aufrechterhaltung des philanthropischen Engagements der Familie spielte. Auch heute noch ist die Tata Group ein Vorbild für soziale Verantwortung von Unternehmen und spiegelt den nachhaltigen Einfluss Jamsetji Tatas auf die Gesellschaft wider.

Mehr dazu hier: https://www.financialexpress.com/life/lifestyle-meet-the-worlds-most-charitable-billionaire-indian-philanthropist-who-donated-over-rs-829734-crore-no-its-not-gautam-adani-mukesh-ambani-or-ratan-tata-3611509/#:~:text=Jamsetji%20Tata%2C%20the%20visionary%20founder,astonishing%20Rs%208%2C29%2C734%20crore

Wachstumsstörungen und Kastenzugehörigkeit

Bei Kindern unter fünf Jahren ist die Kastenzugehörigkeit wohl der entscheidende Faktor, der sowohl Wachstumsverzögerungen als auch ausbleibendes Wachstum erklärt. In einer Studie der Wirtschaftswissenschaftler*innen Ashwini Deshpande und Rajesh Ramachandran wird untersucht, warum die Wachstumsverzögerungsraten bei Kindern in Indien – einem wirtschaftlich besser gestellten Land – höher sind als in Ländern Subsahara-Afrikas.

Die Studie zeigt, dass die Wachstumsverzögerungsrate bei höherkastigen Kindern bei 27 Prozent liegt, verglichen mit 33,6 Prozent in 19 Ländern Subsahara-Afrikas. Die nationale Wachstumsverzögerungsrate liegt laut der Studie jedoch bei 35,7 Prozent. Dieser hohe Wert erklärt sich durch ausbleibendes Wachstum unter marginalisierten Bevölkerungsgruppen wie Dalits und Adivasi.

Die Autor*innen untersuchen Wachstumsstörungen sowohl nach Kaste als auch nach Religion und stellen fest, dass auch bei christlichen und muslimischen Kindern die Kastenzugehörigkeit eine Rolle spielt. Die starke Benachteiligung von christlichen und muslimischen Dalits und Adivasi, spiegelt sich ebenfalls in den Wachstumsverzögerungen ihrer Kinder wider. Die Studie betont, dass „in Indien die Rolle der Religion und der Kastenzugehörigkeit oder Stammeszugehörigkeit als Klassifizierungsmerkmal nicht überbetont werden“ könne. Abschließend fordern die Autor*innen politische Entscheidungsträger*innen auf, Kastenzugehörigkeit in Maßnahmen für die Verbesserungen von Wachstumsraten stärker zu berücksichtigen.

Mehr dazu hier: https://www.thenewsminute.com/news/caste-is-reason-for-india-having-higher-child-stunting-than-sub-saharan-africa#:~:text=News-,Caste%20is%20reason%20for%20India%20having%20higher%20child%20stunting%20than,India's%20high%20rates%20of%20stunting

Haryana: Umsetzung von Sub-Quoten

Haryana ist der erste Bundesstaat, der das Urteil des Obersten Gerichtshofs zur Einführung von Subquoten umsetzt. Die Kontroversen rund um diese neue Regelung haben wir im letzten Newsletter aufgegriffen. Wie Ministerpräsident Nayab Singh Saini am Freitag bekannt gab, wird Haryana nun die Empfehlung des Gremiums umsetzen, die die „Scheduled Caste (SC)“-Gemeinschaft in zwei Gruppen aufteilt und Unterquoten anwendet. Damit setzt der Bundesstaat das wegweisende Urteil zur Unterklassifizierung von Reservierungen im öffentlichen Dienst für Dalits um.

Die Kongressabgeordnete Geeta Bhukkal kritisiert die Entscheidung der Regierung von Haryana, die SC-Quote aufzuteilen, als einen Versuch, die registrierten Kasten zu spalten. Die BJP-Regierung habe diese Entscheidung aus rein wahltaktischen Gründen getroffen. Sie habe sich nicht ernsthaft mit der Angelegenheit auseinandergesetzt, sagt sie. Praveen Attrey, Pressesekretär des Ministerpräsidenten und Mitglied der BJP, entgegnet, dass die Landesregierung, die vom Obersten Gerichtshof angeordnete Unterklassifizierung der registrierten Kasten umgesetzt habe, nachdem sie von der staatlichen Kommission für registrierte Kasten geprüft worden sei. Ziel der Regierung sei es den am stärksten benachteiligten registrierten Kasten gezielte Vorteile bei der Vergabe von Regierungjobs einzuräumen.

Mehr dazu hier: https://www.hindustantimes.com/india-news/haryana-first-state-to-clear-dalit-subquotas-101729276589090.html

 
 

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