DSiD - Dalit Solidarität in Deutschland
 
Liebe Freundinnen und Freunde der Dalit Solidarität in Deutschland,

unser heutiger Newsletter greift strukturelle Diskriminierung und Polizeigewalt gegen Dalits sowie religiös motivierte Selbstjustiz auf – Geschichten, die von tief verwurzelten Ungerechtigkeiten zeugen und das Leben vieler Menschen prägen.

Ob es um die Gewalt selbst ernannter „Kuhschützer“ gegen muslimische Gemeinschaften, den tragischen Tod eines Dalit in Polizeigewahrsam, Diskriminierung am Arbeitsplatz oder die unsichtbare Realität der manuellen Abwasserreinigung geht – all diese Ereignisse werfen die Frage auf, wie soziale, religiöse und kastenspezifische Hierarchien in modernen Gesellschaften fortbestehen und welche Maßnahmen nötig sind, um sie zu durchbrechen. Sie fordern auf, gemeinsam aufmerksam bleiben und solidarisch zu handeln, um diese Themen sichtbar zu machen und auf Veränderung zu drängen.

Herzliche Grüße,

Manuela Ott

Gewaltvoller Kuhschutz in Indien

Ein kürzlich veröffentlichter Bericht der NGO The London Story, die in Brüssel Politikberatung und Lobbyarbeit für Teile der indischen Diaspora leistet, beleuchtet das brutale Vorgehen selbst ernannter „Kuhschützer“ in Indien. Diese hindunationalistischen Gruppen, die sich auf brahmanische Traditionen berufen, erklären es zu ihrer Aufgabe, heilige Tiere – insbesondere Kühe – zu schützen.

Der Bericht zeigt, dass diese Gruppen systematisch Selbstjustiz ausüben und dabei vor allem muslimische Menschen angreifen oder töten. Häufig genügt der Verdacht, dass sie Rindfleisch gegessen oder transportiert haben. Die NGO hebt hervor, dass hinter diesen Taten oft fremdenfeindliche, rassistische und islamfeindliche Motive stehen.

Besonderes Augenmerk legt das Dokument auf den Bundesstaat Haryana, wo strenge Gesetze zum Verzehr von Rindfleisch und zum Schutz von Kühen gelten. Die Autor*innen analysieren systematisch Beiträge in sozialen Netzwerken und decken auf, wie diese Plattformen genutzt werden, um Hass und Gewalt gegen Muslim*innen zu schüren. Anti-muslimische Narrative wie die Behauptung, Muslim*innen würden Kühe schlachten oder hinduistische Frauen entführen und vergewaltigen, sind dort weit verbreitet.

Seit der Machtübernahme der BJP im Jahr 2014 gab es laut dem Bericht gab es vermehrt dokumentierte Fälle von Selbstjustiz durch „Kuhschützer“. Dabei wurden 53 Menschen getötet und mindestens 93 verletzt.

The London Story fordert Plattformen wie Meta dringend dazu auf, entschiedener gegen Hassrede vorzugehen und bestehende Richtlinien konsequent durchzusetzen, um die Verbreitung antimuslimischer Propaganda zu stoppen und gefährdete Personen besser zu schützen.

Mehr dazu hier: https://thelondonstory.org/report/haryana-election-dispatch/

Nepal: Diskriminierung am Arbeitsplatz

Für Dalits ist das Kastensystem eine unsichtbare, aber allgegenwärtige Barriere, die ihre Lebensrealität prägt. Von klein auf werden sie durch subtile und offene Abwertungen in Schulen, Nachbarschaften oder am Arbeitsplatz daran erinnert, dass sie „anders“ und vermeintlich minderwertig sind. Dies hinterlässt nicht nur tiefe psychische Narben, sondern erschwert es ihnen, ihr Potenzial zu entfalten schreibt der Autor des Artikels zu Diskriminierung im Arbeitsplatz in einem sehr persönlichen Stil.

Auch in modernen Arbeitsumgebungen, wie beispielsweise in NGOs spüren Dalits, so der nepalesische Autor oft die Last ihrer Kastenzugehörigkeit. Kolleg*innen, die sie nicht ernst nehmen oder Vorgesetzte, die sie trotz ihrer Leistungen übergehen, verstärken das Gefühl von Minderwertigkeit. Besonders schwer wiegt, dass viele Unternehmen zwar Gender-Sensibilisierung vorantreiben, jedoch kaum Maßnahmen gegen Kastendiskriminierung implementieren.

Ein inklusiver Arbeitsplatz sollte jedoch Diskriminierung intersektional betrachten und auch das Thema Kastendiskriminierung angehen. Schulungen für Mitarbeitende und Führungskräfte über die Auswirkungen von Kastendiskriminierung sind essenziell. Die Schaffung eines respektvollen und unterstützenden Umfelds, in dem niemand aufgrund seiner Herkunft benachteiligt wird, ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern auch der Menschlichkeit betont der Autor.

Dalits verdienen es, gehört und respektiert zu werden. Ein Arbeitsplatz, der dies ermöglicht, ist ein wichtiger Schritt dazu, jahrhundertealte Ungerechtigkeiten zu überwinden.

Mehr dazu hier: https://theannapurnaexpress.com/story/50455/

Die unsichtbare Realität der manuellen Abwasserreinigung

Das Regierungsprogramm „NAMASTE“, zeigt, dass 77 Prozent der Arbeiter*innen in der manuellen Latrinen- und Abwasserreinigung Dalit-Gemeinschaften angehören.

Die Autorin hebt hervor, dass zwischen 2019 und 2023 offiziell 377 Todesfälle durch gefährliche Reinigungsarbeiten in Abwasserkanälen und Klärgruben gemeldet wurden. Diese Arbeiten werden jedoch nicht als „manuelle Latrinenreinigung“ betrachtet. Denn laut einem Urteil des Obersten Gerichts von 2023 ist diese gefährliche Form der Reinigung erlaubt, wenn Schutzkleidung und Geräte gestellt werden.

Organisationen wie Safai Karamchari Andolan dokumentierten allein zwischen 2022 und 2023, 339 Todesfälle, was die Diskrepanz zwischen Regierungsangaben und der Realität verdeutlicht. App-basierte Meldungen über die andauernden Praktiken aus über 100 Distrikten werden beispielsweise von der Regierung als „unglaubwürdig“ eingestuft und somit geleugnet.

Die Autorin betont, dass Programme wie NAMASTE zwar einen Fortschritt bedeuten, ohne eine ehrliche Anerkennung der kastenbasierten Realität aber weder Gerechtigkeit noch Würde für Betroffene erreicht werden können.

Mehr dazu hier: https://www.thenewsminute.com/news/77-of-manual-scavengers-are-dalit-says-report-despite-union-govts-denial

Dalit stirbt nach Polizeigewalt – Proteste gegen Brutalität

Lakhimpur, Uttar Pradesh: Ein virales Video zeigt derzeit einen Polizisten, der einen Dalit aus einer ländlichen Region beleidigt und gewaltsam angeht. Dies geschieht zeitgleich vor dem Hintergrund des Todes von Akash Raj, einem 25-jährigen Dalit, der am 3. September im Distrikt Phardhan wegen Diebstahls verhaftet wurde.

Laut Berichten der Familie wurde Akash drei Tage lang in Polizeigewahrsam geschlagen, bis sich sein Zustand verschlechterte. Am 13. September erlag er trotz einer Behandlung in einem Krankenhaus in Lucknow seinen Verletzungen. Die Familie protestierte daraufhin, indem sie seinen Leichnam auf eine Autobahn platzierte und die Verhaftung der verantwortlichen Beamten forderte. Unterstützt wurde der Protest auch von Ramsaran, einem ehemaligen Abgeordneten der Samajwadi-Partei.

Die Polizei wies die Vorwürfe zurück und erklärte, Akash sei nach einem Verhör freigelassen worden. Sein Gesundheitszustand habe sich erst zu Hause verschlechtert. Der Obduktionsbericht soll nun Klarheit über die Todesursache bringen.

Dieser Fall steht sinnbildlich für ein wachsendes Misstrauen zwischen Dorfbewohner*innen und den Strafverfolgungsbehörden. Polizeigewalt und institutionelle Diskriminierung gegen Dalits bleiben ein strukturelles Problem, das nicht nur Gerechtigkeit für Akashs Familie verlangt, sondern auch tiefgreifende Reformen der Polizeipraxis.

Mehr dazu hier: https://www.newindian.in/police-misconduct-video-goes-viral-following-dalit-youths-death-in-lakhimpur/

 
 

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