DSiD - Dalit Solidarität in Deutschland
 
Liebe Freund*innen und Freunde der Dalit Solidarität in Deutschland,

die Themen unseres aktuellen Newsletters spannen einen Bogen von akuter Gewalt über systemische Diskriminierung bis hin zu inspirierenden Strategien des Widerstands.

Während die Weihnachtszeit 2024 vielerorts als Fest der Hoffnung und des Miteinanders gefeiert wurde, bleibt sie in Indien von Angriffen auf christliche Gemeinschaften überschattet. Wir werfen einen genaueren Blick auf die Hintergründe dieser Gewalt. Auch global bleiben Menschenrechte ein drängendes Thema: Der Bericht des International Dalit Solidarity Network gegenüber der UN enthüllt, wie tief Menschenrechtsverstöße in globalen Lieferketten verankert sind.

Ein weiterer Blick in diesem Newsletter richtet sich auf die USA, wo eine Debatte über Kastendiskriminierung an Universitäten entfacht wurde. Ein Thema, das durch die neue Regierung in den USA vielleicht etwas weniger Beachtung fand, aber dessen Bedeutung weit über nationale Grenzen hinausgeht.

Zum Abschluss stellen wir Ihnen Manjeet Sarkar vor, einen Dalit-Comedian, der mit Humor gegen systemische Unterdrückung vorgeht und eindrucksvoll zeigt, wie Widerstand auch kreativ und kraftvoll sein kann.

Mit besten Grüßen,
Manuela Ott

Heiligabend: Angriffe auf Christen

Rund um Heiligabend kam es in Indien zu einer Zunahme von Angriffen auf christliche Minderheiten. Mitglieder radikaler Hindutva-Gruppen störten Weihnachtsgottesdienste, skandierten Parolen wie „Jai Shri Ram“ und griffen gezielt Einzelpersonen an. In Gujarat unterbrachen sie Gebete, in Odisha wurden zwei Frauen öffentlich gedemütigt und verprügelt. In Uttar Pradesh wurde ein Dalit-Christ gewaltsam zum Hinduismus „rückkonvertiert“ und durch das Dorf gejagt. Diese Vorfälle sind Teil einer breiten Welle religiöser Intoleranz, die laut Bericht der United States Commission on International Religious Freedom (USCIRF) 2024 zu 161 Angriffen auf Christ*innen führte.

Vorwürfe werden lauter, dass derartige Gewalt durch Gesetze wie dem Unlawful Activities Prevention Act (UAPA) und der Einschränkung zivilgesellschaftlicher Organisationen gefördert werden. Modi selbst sprach sich im Rahmen einer Weihnachtszeremonie für mehr Liebe, Harmonie und Brüderlichkeit aus, dies seien die Lehren Jesu Christi. Er bezog sich dabei nicht auf die jüngsten Ausschreitungen in Indien, sondern zeigte sich vielmehr entsetzt über den Anschlag in Magdeburg.

Mehr dazu hier: https://sabrangindia.in/xmas-eve-becomes-the-target-for-hindu-extremists/

Mehr zur Stellungnahme Modis hier: https://www.hindustantimes.com/india-news/attempt-to-spread-violence-pains-my-heart-pm-at-christmas-event-101734980215727.html

UN: Menschenrechtsverstöße in globalen Lieferketten

Eine Delegation des International Dalit Solidarity Network (IDSN) war anlässlich des UN-Forums für Wirtschaft und Menschenrechte in Genf. Indische und nepalesische Partner*innen thematisierten kastenbasierte Diskriminierung in globalen Lieferketten in Südasien durch Redebeiträge und Dialoge in verschiedenen Sitzungen.

Meena Varma, Direktorin von IDSN, betonte in einer Sitzung des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte die dringende Notwendigkeit gegen diese Verstöße vorzugehen. Dabei wurden konkrete Maßnahmen wie Förderung von Vielfalt bei Beschäftigung und Sensibilisierung für Diskriminierung vorgeschlagen. Die Teilnahme der IDSN-Delegation ist ein Ausdruck der Dringlichkeit, Kastendiskriminierung als globales Menschenrechtsthema zu behandeln, den Dialog zu fördern und Lösungen auf internationaler Ebene zu fördern.

Mehr dazu hier: https://idsn.org/idsn-delegation-highlights-caste-related-violations-in-global-supply-chains-at-the-un-bhr-forum/

Bericht zu Kastendiskriminierung an US-Universitäten löst Debatte aus

Die Veröffentlichung des Berichts „Caste-Based Discrimination in US Higher Education and at Rutgers“ hat eine Debatte über Kaste und Diskriminierung ausgelöst. Der Bericht hebt hervor, dass vielen US-Amerikaner*innen das Konzept von Kaste und deren diskriminierende Auswirkungen unbekannt ist. Er dokumentiert Fälle von Benachteiligung, wie etwa die Ablehnung eines Dalit-Doktoranden an der Universität von Alabama oder die Diskriminierung eines Dalit-Studenten an der Rutgers-Universität, der Angst hatte, seine Kastenzugehörigkeit zu offenbaren. Der Bericht kritisiert zudem den Mangel an rechtlichem Schutz gegen kastenbasierte Diskriminierung in den USA.

Ein Professor berichtet von einem Studenten, der offen erklärte, dass seine Familie eine Heirat mit Dalits kategorisch ablehnt, unabhängig von deren Erfolg oder Wohlstand. Der Bericht empfiehlt, Kaste als geschützte Kategorie in Antidiskriminierungsrichtlinien aufzunehmen und das Bewusstsein für das Thema zu stärken – eine wichtige Maßnahme angesichts der wachsenden indisch-amerikanischen Bevölkerung.

Der Backlash innerhalb und außerhalb der indischen Diaspora ließ nicht lange auf sich warten. Die kastenleugnende Lobby-Gruppe „Caste Files“ hat Klage gegen die Rutgers Universität erhoben und den Bericht kritisiert.

Mehr dazu hier: www.counterview.net/2024/12/addressing-caste-discrimination-in-us.html

Mit Humor gegen systemische Unterdrückung

Manjeet Sarkar hat sich als Stand-up-Comedian und Filmemacher einen Namen gemacht, indem er humorvoll und provokativ das Thema Kastendiskriminierung thematisiert. Sein Dokumentarfilm Untouchable: Laughing out Caste bietet eine humorvolle Perspektive auf die Kastenfrage und möchte Dalit-Kindern ein positives Selbstbild vermitteln. Inspiriert von der Comedy-Szene der Schwarzen in den USA, nutzt Sarkar seinen Witz, um stereotype Darstellungen von Dalits als passive Opfer zu brechen. Mit Auftritten bei den Vereinten Nationen und Vorführungen seines Films in Toronto möchte er die Diskussion über Kastendiskriminierung weltweit fördern und neue Zielgruppen zu erreichen.

Sarkar betont, dass seine Comedy ein Spiegelbild der Gesellschaft ist, in der Vulgarität und Vorurteile allgegenwärtig sind. Er kritisiert, dass Sympathie oft oberflächlich bleibt und stattdessen echte Empathie, wie sie die Dalit-Ikone Babasaheb Ambedkar verkörperte, nötig ist, um gesellschaftliche Veränderungen herbeizuführen. Als Dalit-Künstler will er vor allem Inspiration statt Mitleid schaffen und zukünftige Generationen dazu ermutigen, sich kreativ auszudrücken, trotz der besonderen Herausforderungen, die sie in der Comedy-Welt erwarten.

Ein Interview mit Sarkar hier: https://en.themooknayak.com/dalit-news/dalits-are-more-than-their-struggles-manjeet-sarkar-redefines-comedy-and-caste-narratives

 
 

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