DSiD - Dalit Solidarität in Deutschland
 
Liebe Freund*innen und Freunde der Dalit Solidarität in Deutschland,

Die Kürzung der US-Auslandshilfe in Asien hat viele zivilgesellschaftliche Organisationen verunsichert. Doch wie effektiv war diese Hilfe überhaupt? Einer unserer Artikel geht der Frage nach, ob der eigentliche Wendepunkt nicht vielmehr in der Chance auf eine Neuorientierung liegt, hin zu lokaler Verantwortung und globaler Partnerschaft auf Augenhöhe.

In Großbritannien formiert sich leise, aber wirkungsvoll eine neue anti-kastenspezifische Gegenkultur an den Universitäten: Dalit-, Bahujan- und Adivasi-Studierende fordern institutionellen Wandel und schaffen Räume für marginalisierte Stimmen. Damit rücken sie ein Thema in den Mittelpunkt, das international oft übersehen wird, und das auch Suraj Yengde in seinem neuen Buch aufgreift. In „Caste a Global Story“, das wir gerne empfehlen, greift globale Realität kastenspezifischer Unterdrückung auf.

Und schließlich geht es um die strategische Partnerschaft zwischen Deutschland und Indien. Politisch und wirtschaftlich wird sie ausgebaut, doch es bleibt offen, wie sehr gemeinsame Werte dabei eine Rolle spielen. Werden die Rechte von Minderheiten, insbesondere von Dalits, Teil dieser Partnerschaft sein?

Wir laden Sie und Euch ein, tiefer in diese Debatten einzusteigen, und sie weiterzutragen.

Jacob Desai und Manuela Ott

Fehlende US-Hilfe wirklich ein Rückschlag für Asien?

Die Entscheidung der USA, ihre Auslandshilfe zur Förderung in Asien einzufrieren und zu kürzen, sorgte zunächst für Alarmstimmung. Viele zivilgesellschaftliche Akteur*innen befürchteten massive Rückschläge für ihre Arbeit. Doch wie eine genauere Analyse zeigt, liegt das Problem weniger in der Kürzung selbst, sondern vielmehr darin, dass die US-Hilfe bereits zuvor wenig bewirkt hat. Laut eines Berichts des International Institute for Democracy and Electoral Assistance haben zwischen 2018 und 2023 über die Hälfte der Länder im asiatisch-pazifischen Raum demokratische Rückschritte erlebt, trotz internationaler Unterstützung.

Zudem floss der Großteil der US-Gelder nicht an lokale Initiativen, sondern an große westliche Vermittlungsorganisationen. Diese strukturelle Schieflage führte dazu, dass viele Demokratieprojekte symbolisch blieben und kaum Wirkung vor Ort entfalteten. Der aktuelle Rückzug der USA trifft daher vor allem jene Organisationen, die stark von dieser Hilfe abhängig waren. Lokal verankerte oder europäisch finanzierte Gruppen seien dagegen stabiler aufgestellt.

Die gegenwärtige Lage kann eine Chance bieten, für eine echte Neuausrichtung internationaler Demokratieförderung. Statt zentralisierter Programme braucht es direkte und flexible Unterstützung für lokal geführte Initiativen, die kontextsensibel und von unten her Veränderungen anstoßen. Das Schicksal der Demokratie, so scheint es in Asien, wird nicht in Washington entschieden, sondern in den Gemeinden selbst, durch Akteur*innen, die nicht ersetzt, sondern gestärkt werden müssen.

Mehr dazu hier: https://www.bangkokpost.com/opinion/opinion/3059656/impact-of-us-foreign-aid-cut-in-asia-to-be-minimal

Eine neue Anti-Kasten-Kultur an britischen Universitäten

An britischen Universitäten entsteht derzeit eine leise, aber kraftvolle Bewegung aus Dalit-, Bahujan- und Adivasi-Studierenden, die dominante Narrative über Indien und Südasien hinterfragen, stattdessen Räume für ihre eigenen Perspektiven schaffen. Inspiriert vom Denken Dr. B.R. Ambedkars und getragen von persönlicher Erfahrung, gründen sie Studierendenvereinigungen, organisieren Filmfestivals, Vorträge und kulturelle Veranstaltungen, um über das Kastensystem aufzuklären und die Stimmen der Marginalisierten auf internationalen Plattformen zu stärken. Nicht immer durch lauten Protest, sondern vielmehr durch kontinuierliche Bildungsarbeit, kulturelle Selbstbehauptung und institutionellen Druck.

Damit wächst der Anspruch, Kaste auch formal als Diskriminierungskategorie in den Diversitätsrichtlinien britischer Universitäten anzuerkennen. Mit ersten Erfolgen, an der School of Oriental and African Studies (SOAS) wurde „Kaste“ in die Gleichstellungspolitik der Studierendenvereinigung aufgenommen, an der Universität Leeds werden kastenspezifische Daten im Rahmen eines Monitorings anonym erhoben. Ziel ist die Aufnahme von „Kaste“ als geschütztes Merkmal im britischen Gleichstellungsgesetz. Was als studentische Initiative begann, könnte somit zum Katalysator für eine breitere gesellschaftliche Auseinandersetzung mit einem der ältesten und global wirksamsten Systeme sozialer Hierarchie werden.

Mehr dazu hier: https://thewire.in/caste/an-anti-caste-counterculture-is-gradually-taking-root-in-uk-universities

Buchempfehlung: Über globale Kastenhierarchien das neue Buch von Suraj Yengde

In seinem neuesten Buch zeigt der indische Intellektuelle Suraj Yengde eindrucksvoll, dass kastenspezifische Diskriminierung kein rein südasiatisches Problem ist. Vielmehr handelt es sich um ein globales System der Unterdrückung, das sich, historisch und gegenwärtig, in unterschiedlichsten Kontexten wiederfindet. Das momentan nur auf Englisch verfügbare Buch behandelt indische Vertragsarbeiter*innen in der Karibik des 19. Jahrhunderts bis hin zu heutigen Wanderarbeiter*innen im Nahen Osten oder migrantischen Gemeinschaften in Großbritannien und Südafrika. Yengde verfolgt dabei einen interdisziplinären Ansatz, der Geschichte, Ethnografie und Archivforschung verbindet und deutlich macht, wie Kolonialismus, Religion und Nationalismus zur weltweiten Verfestigung kastengeprägter Hierarchien beigetragen haben.

Yengde belässt es nicht bei der Analyse. Er fragt, warum sich Teile der südasiatischen Diaspora den anti-kastischen Kämpfen nicht anschließen, wo die Grenzen der Solidarität zwischen Dalit- und Schwarzer Bewegung liegen und was wir von historischen wie gegenwärtigen Bewegungen gegen das Kastensystem lernen können. Die Antwort ist ein kraftvoller Appell für einen „Dalit-Kosmopolitismus“, der sich nicht auf nationale Kontexte beschränkt, sondern globale Gerechtigkeit ins Zentrum rückt. Ein Buch, das Kasten als internationales Machtverhältnis sichtbar macht und das aufrüttelt.

Mehr zum Buch hier: https://www.hurstpublishers.com/book/caste/

Indien als strategischer Partner: Neue Dynamiken in den deutsch-indischen Beziehungen?

Im Mai dieses Jahres fand nach dem Besuch der indischen Delegation in Deutschland eine Pressekonferenz statt, in der die intensivere Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern unterstrichen wurde. Unter der aktuellen Bundesregierung bleibt Indien ein zentraler strategischer Partner für Deutschland und Europa. Angesichts globaler geopolitischer Spannungen, einschließlich der jüngsten militärischen Auseinandersetzungen zwischen Indien und Pakistan, betont die Bundesregierung das Recht Indiens auf Selbstverteidigung und begrüßt den erreichten Waffenstillstand als einen wichtigen Schritt zur Stabilisierung der Region.

Auf wirtschaftlicher Ebene zeichnet sich ein neuer Schritt ab. Der deutsche Außenminister, Wadephul, erhofft sich noch im Laufe dieses Jahres den Abschluss eines Freihandelsabkommens zwischen der EU und Indien. Für Deutschland geht es dabei nicht nur um die wirtschaftliche Öffnung, sondern auch um das Prinzip eines gleichberechtigten Austauschs auf Augenhöhe. Ziel ist es, eine tiefere Partnerschaft zu etablieren, die sowohl ökonomische als auch politische Dimensionen umfasst und auf gemeinsamen Werten und Interessen basiert. Es bleibt jedoch zu klären, wie diese Werte im Detail definiert werden und inwieweit Themen wie Menschen-, Dalit- und Minderheitenrechte in den Verhandlungen berücksichtigt werden.

Zur Pressekonferenz geht es hier: https://www.youtube.com/watch?v=G84Dp3SBSHI

 
 

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