DSiD - Dalit Solidarität in Deutschland
 
Liebe Freund*innen und Freunde der Dalit Solidarität in Deutschland,

diese Ausgabe unseres Newsletters bietet Ihnen wieder einen umfassenden Überblick über zentrale Entwicklungen in Indien, von wirtschaftlichen Dynamiken über politische Spannungen bis hin gesellschaftlichen Herausforderungen.

Indiens Konsummarkt steht derzeit unter enormem Druck: Neue US-Strafzölle auf Teppiche und Lederschuhe treffen insbesondere kleine Betriebe in Bhadohi und Agra, deren Arbeiter*innen größtenteils aus Dalit- und Bahujan-Gemeinschaften kommen. Auf internationaler Ebene bekräftigt der deutsche Außenminister Johann Wadephul bei seinem Besuch in Neu-Delhi die strategische Partnerschaft zwischen Deutschland und Indien. Der Fokus lag auf wirtschaftliche Zusammenarbeit, technologische Entwicklung, Künstlicher Intelligenz und Verteidigung - soziale Fragen fanden hingegen wenig Beachtung. Gleichzeitig verschärft sich die innenpolitische Lage: Rahul Gandhi kritisiert den dramtischen Anstieg der Arbeitslosigkeit in Bihar und wirft der BJP Wahlmanipulation vor. In Chhattisgarh sieht sich die malayalische christliche Gemeinschaft Angriffen einer rechtsradikalen hindu-nationalistischen Jugendorganisation ausgesetzt. Hintergrund, so Aktivist*innen seien weniger religiöse Bekehrungen als vielmehr Angst der Hindutva-Kräfte vor der Stärkung der Dalits.

Viel Spaß beim Lesen und einen schönen Herbst wünschen,

Jacob Desai und Manuela Ott

Deutschland und Indien mit Schulterschluss: Strategische Partnerschaft rückt in den Fokus

Bei seinem offiziellen Besuch in Neu-Delhi setzte Außenministers Johann Wadephul ein klares Signal: Deutschland will die strategische Partnerschaft mit Indien deutlich vertiefen - wirtschaftlich, technologisch und sicherheitspolitisch. Wadephul hob das starke gegenseitige Vertrauensverhältnis hervor und bezeichnete das Handelsvolumen von rund 31 Milliarden Euro als „Premier League“ des internationalen Handels. Ziel sei es, diesen Wert in den kommenden Jahren zu verdoppeln. Zugleich lobte er Indiens wachsendes Innovationspotenzial, Bangalore als wichtigen Technologiehub, und lobte Indiens Rolle bei der Ausrichtung des geplanten KI-Gipfels.

Über Technik und Handel hinaus sprachen die beiden Außenminister auch über geopolitische Fragen: Wadephul und Jaishankar bekräftigten ihr gemeinsames Interesse an der regelbasierten internationalen Ordnung, sicherten ihre Absicht zu, ihre Verteidigungs- und Sicherheitskooperation weiter ausbauen, und verweisen auf gemeinsame Interessen im Indopazifik. Zudem würdigte Jaishankar Deutschlands Unterstützung im indischen Kampf gegen den Terrorismus, während Wadephul den jüngsten Friedensappell von Premierminister Narendra Modi im Ukraine-Konflikt ausdrücklich begrüßte.

Ein weiterer Schwerpunkt war das angestrebte Freihandelsabkommen zwischen Indien und der Europäischen Union. Was erstaunlich ist:  Soziale Themen wie Arbeitslosigkeit oder Ungleichheit tauchten kaum auf – auch wenn sie für viele Menschen im Alltag von existentieller Bedeutung sind. 

Mehr dazu hier: https://www.business-standard.com/external-affairs-defence-security/news/india-germany-jaishankar-johann-wadephul-trade-deal-defence-fta-ukraine-125090300915_1.html

Oder im offiziellen Statement des Auswärtigen Amts:  https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/asien/wadephul-indien-2732802

US-Strafzölle treffen Indiens Handwerkssektor hart

Die 50-prozentigen US-Zölle auf indische Waren haben besonders die traditionsreichen Produktionszentren Bhadohi und Agra erschüttert. Bhadohi liefert rund 60 Prozent der indischen Teppiche in die USA, Agra exportiert Schuhe im Wert von jährlich 500 Millionen US-Dollar - viele kleine Betriebe stehen vor dem Aus. Millionen Arbeiter*innen und Kunsthandwerker*innen, mehrheitlich aus Dalit und Bahujan Gemeinschaften sehen ihre Existenz bedroht.

Exporteur*innen und Gewerkschaften fordern rasches Handeln von der indischen Regierung, etwa durch neue Handelsabkommen oder Hilfsprogramme. Die Krise zeigt nicht nur die hohe Abhängigkeit von ausländischen Märkten, sondern auch die Dringlichkeit, faire Handelsbedingungen zu schaffen.

Mehr dazu und ein spannendes YouTube Video auf The Wire: https://thewire.in/labour/50-us-tariff-hit-india-hard-send-carpet-and-shoe-industries-in-crisis/?utm_campaign=Worker%2BWeb&utm_medium=email&utm_source=Worker_Web_124

Bihar vor der Wahl: Rahul Gandhi warnt vor Arbeitslosigkeit und Wahlmanipulation

In einer Wahlkampf-Versammlung in Patna übte Rahul Gandhi scharfe Kritik an der wirtschaftlichen und politischen Lage in Bihar. Der Bundesstaat sei zum „Epizentrum der Arbeitslosigkeit“ geworden – verursacht durch die Schließung kleiner und mittlerer Betriebe infolge der Demonetisierung und einer schlecht umgesetzten Mehrwersteuerreform (GST). Der Politiker warf der BJP-Regierung vor, der Jugend des Landes „alle Türen zur Beschäftigung verschlossen“ zu haben.

Doch Gandhis Kritik blieb nicht auf ökonomische Fragen beschränkt. Er beschuldigte die BJP, vor den bevorstehenden Wahlen systematisch Namen aus den Wähler*innenverzeichnissen zu streichen. Damit, so Gandhi, versuche die Regierungspartei, den demokratischen Prozess gezielt zu untergraben. In seiner Rede verwies Gandhi auf den ideologischen Grundkonflikt im Land und erinnerte an Mahatma Gandhi als Symbol eines vereinten und demokratischen Indiens.

Mehr dazu: https://timesofindia.indiatimes.com/city/patna/bihar-has-become-epicentre-of-unemployment-rahul/articleshow/123476123.cms

Chhattisgarh: Christen, Bildung und die Angst der Hindutva-Kräfte

In Chhattisgarh erleben christliche Gemeinden, insbesondere die malayalische Gemeinde, zunehmend Gewalt und Einschüchterung. Hauskirchen werden geschlossen, Gebetstreffen gestört, und Pastor*innen berichten von gezielten Angriffen durch die einer rechtsradikalen hindu-nationalistischen Jugendorganisation,Bajrang Dal. Offiziell wird dies oft mit Vorwürfen von Bekehrungen begründet. Doch Aktivist*innen betonen, dass der wahre Grund die Stärkung der Dalits und Adivasi durch Bildung und soziale Integration ist, Entwicklungen, die Hindutva-Kräfte als Bedrohung ihrer sozialen Kontrolle wahrnehmen.

Die betroffene malayalische Gemeinschaft in Bhilai und Durg hat eine lange Geschichte der Migration und Integration. Viele Familien kamen mit der Stahlindustrie in den 1950er-Jahren aus Kerala, bauten Schulen, Krankenhäuser und religiöse Einrichtungen und trugen maßgeblich zum wirtschaftlichen Wachstum der Region bei. Trotz der Verfassungsrechte auf Religionsfreiheit bleiben Schutzmaßnahmen unzureichend: Gerichtsbeschlüsse zur Wahrung von Hauskirchen und Gebetstreffen werden nur schleppend umgesetzt, und lokale Behörden reagieren oft nicht.

Mehr dazu hier: https://thesouthfirst.com/kerala/chhattisgarh-and-dalit-empowerment-attacks-on-christians-are-not-about-conversions/

 
 

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