DSiD - Dalit Solidarität in Deutschland
 

Brotkrumen für einen Hungernden – 3.000 Plätze an Privatschulen für 40 Millionen Dalits

Die indische Regierung plant, jedes Jahr 3.000 begabten Dalit-Schüler*innen den Schulwechsel von öffentlich zu privat zu ermöglichen. Diese Schüler*innen kämen später auch für ein Programm in Frage, das jedes Jahr etwa 60.000 Stipendien für Dalit-Schüler*innen bereitstellt. Pädagog*innen und Dalit-Aktivist*innen meinen jedoch, die Initiative sei nicht mehr als ein "Alibi". Die Regierung tue besser daran, die Qualität ihrer öffentlichen Schulen zu verbessern. Ein hochrangiger Akademiker, der nicht genannt werden möchte, konstatiert: „Fast 40 Millionen Dalits sind an meist staatlichen Schulen. Einer verschwindend geringen Zahl von Schüler*innen eine gute Ausbildung zukommen zu lassen, ist reine Augenwischerei und wird eine Hierarchie in der Dalit-Gemeinschaft schaffen.“ Außerdem werden es Dalits an Privatschulen nicht leicht haben – sie werden mit hoher Wahrscheinlichkeit Diskriminierung und Ausgrenzung ausgesetzt sein.

https://www.telegraphindia.com/india/government-plans-to-relocate-3000-dalit-students-from-government-schools-to-private-residential-schools/cid/1855720

Massive Kürzungen von Dalit-Förderprogrammen

Jahrhundertelang hinderten die repressiven und sozioökonomischen Strukturen Indiens die schwächsten Teile der Gesellschaft daran, ihre traditionellen kastenbasierten Berufe aufzugeben, um auf der sozioökonomischen Leiter aufzusteigen. Deshalb bieten verschiedene Bundesstaaten zahlreiche Programme an, die seit letztem Jahr jedoch willkürlichen Haushaltskürzungen ausgesetzt sind. Die Mittelzuweisungen für 2022/23 sind entweder zu niedrig oder werden nur sehr vage formuliert. Es handelt sich nicht einfach um allgemeine Kürzungen der Sozialleistung, stattdessen lässt sich ein Muster erkennen. Beispielsweise werden Mittel für Stipendienprogramme für benachteiligte Kasten von etwa 5,4 Mio Euro für 2021/22 auf etwa 1,1 Mio Euro gekürzt. Insgesamt nimmt die Liste der Unterstützungsprogramme, deren Budgets gekürzt wurden, fast kein Ende.

https://theleaflet.in/why-schemes-for-weakest-sections-face-massive-cuts/

Die Früchte eines Aufstands

Inmitten der üppigen Reis- und Senffelder von Punjab, die von Teichen und Kanälen umgeben sind, ist ein wirtschaftlicher Wandel zu beobachten: Die neu errichteten Häuser gehören größtenteils Angehörigen marginalisierter Gemeinschaften. Dieser Wohlstand ist das Ergebnis eines Aufstands, der 2014 begann, als die im Dorf lebenden Dalits gegen die ungleiche Landverteilung protestierten. Dadurch gelang es den betroffenen Bauern und Bäuerinnen in mehr als 100 Dörfern in Punjab, Land zurück zu erlangen, das ihnen rechtlich zustand, ihnen aber entweder von der Verwaltung oder den Angehörigen der oberen Kaste verweigert wurde. Trotz umfassender Reformen des Landbesitzes in Punjab besitzt die Dalit-Gemeinschaft, die etwa 32 Prozent der Bevölkerung ausmacht, nur 2,3 Prozent des gesamten landwirtschaftlichen Bodens. Für den 63-jährigen Dalit-Bauern Charan Singh bedeutet der Besitz von eigenem Land ein Leben in Selbstachtung, da er sich dadurch sozial und finanziell abgesichert fühlt.

http://twocircles.net/2022mar31/445474.html

Schnurrbart als Todesurteil

Der Schnurrbart, der oft mit Männlichkeit und Stärke assoziiert wird, kann in Indien das Todesurteil bedeuten, wenn er von einem Mann aus einer vermeindlich falschen Kaste getragen wird. Rajat aus Uttar Pradesh, Suresh Vaghela und Piyush Parmar aus Gujarat sowie Jitendra Pal Meghwal aus Rajasthan mussten für ihren Schnurrbart teuer bezahlen. Vier von unzähligen Fällen, in denen Dalit-Männer wegen ihres Schnurrbarts verprügelt oder erstochen wurden. Dies spiegelt auch den allgemeinen Trend der zunehmenden Gewalt gegenüber Dalits wider, die tief verwurzelten Praktiken und Systeme der Kastendiskriminierung anfechten, einschließlich des Glaubens, dass nur Männer der oberen Kaste einen Schnurrbart tragen dürfen.

https://twocircles.net/2022mar25/445423.html

 

 
 

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